Der Balkan hat mich schon immer mal interessiert als Workation. Ich hatte noch nie was davon gesehen und dachte, warum nicht jetzt. Also hat sich Albanien und Vlorë gut angeboten. Insbesondere Tirana soll als kostengünstige Workation in Albanien soll immer mehr digitale Nomaden anziehen.
Die ganze Organisation startete für mich etwa drei Wochen vor meinem Auszug aus meiner alten Wohnung. Ich hatte erst gedacht ich finde einfach eine Unterkunft in Deutschland. Hätte ich auch, aber ein Flug nach Albanien plus Unterkunft war am Ende günstiger und irgendwie verlockender. Und ich hatte Lust auf Abenteuer.
Das hab ich dann auch bekommen, nur nicht ganz so wie ich mir das vorgestellt hatte.
Meine Ausgangslage: Als Freelancer zur Workation Albanien
Zeitlich flexibel, aber viel zu tun
Ich arbeite als Website Freelancer, was bedeutet ich kann meine Arbeitszeit frei einteilen. Ob du selbst schon bereit für eine Workation bist, kannst du übrigens in meinem Workation-Selbsttest herausfinden. Dort bekommst du eine ehrliche Einschätzung deines Workationtyps und wie gut du heute schon vorbereitet bist.
In dem Monat hatte ich insgesamt auch nur zwei Meetings zurück in die Heimat, der Rest war operative Projektarbeit an Websites, zeitungebunden und flexibel. Das war natürlich ein großer Vorteil für so eine Überbrückungsphase.
Trotzdem war es kein ausschließlich entspannter Urlaub, etwas Arbeit nebenbei musste ich während meiner Workation in Albanien auch erledigen.
Persönliche Situation: Frei und (fast) ungebunden
Keine Haustiere, keine festen Verpflichtungen, das hat die Entscheidung leichter gemacht. Meine Freundin fand es natürlich nicht ganz toll, dass ich vier Wochen weg war. Das sei der Vollständigkeit halber auch erwähnt.
Finanziell war ich soweit gut aufgestellt, aber große Ausgaben wollte ich bewusst vermeiden. Der Umzug stand an, Kaution, neue Einrichtung, der ganze Rattenschwanz. Albanien war also nicht nur Abenteuer, sondern auch eine bewusste Entscheidung gegen eine teure Zwischenmiete in Deutschland. Ein bisschen Risiko, aber dafür mit Strand und Urlaubsfeeling.
Ist eine Workation in Albanien das Richtige für dich?
Im Vorfeld kurz zu mir: Ich bin zwar reiseerfahren, aber meine letzte große Workation liegt mehrere Jahre zurück. Von der Mentalität her bin ich dennoch ziemlich adaptierbar. Solo-Travel über längere Zeit ist für mich nichts Ungewöhnliches. Wenn Pläne nicht aufgehen, improvisiere ich meist, als dass ich lange in Stress verfalle. Soziale Interaktion brauche ich nicht zwingend, ich schaff mir meine eigenen Strukturen und komme damit gut zurecht.
Wer an seinem gewohnten Arbeitssetup hängt, wer Rituale und eine vertraute Umgebung braucht um produktiv zu sein, oder wer auf andere Menschen angewiesen ist um den Tag zu strukturieren, wird in so einer Situation deutlich mehr kämpfen. Vlorë war kein so komfortabler Workation-Spot. Es hat soweit trotzdem funktioniert weil ich mit dem Flow gegangen bin und die Herausforderungen entlang der Reise meistern konnte.
Technische Ausstattung: Laptop Stand statt Desktop
Zuhause arbeite ich mit einem großen Desktop-Bildschirm, was für Website-Gestaltung deutlich besser ist. Für einen Monat war das Macbook fürs mobile Arbeiten aber okay. Ich hatte auch einen Laptop-Stand dabei, damit ich nicht mit dem Kopf immer nach unten schau, eine Bluetooth-Maus und eine externe Tastatur. Das hat aus meiner Sicht einen großen Unterschied gemacht, zumindest was das Setup angeht.

Anreise nach Albanien: Flug, Transport und erste Fehler
Der erste Fehler noch vor Abflug
Ich hatte 10kg Freigepäck gebucht und beim Einpacken offenbar nicht genau hingeschaut bzw. gewogen. Am Flughafen dann die Quittung: 4kg zu viel. Ich hab vor dem Check-in umgepackt, Sachen ins Handgepäck gewuchtet, irgendwie auf 10kg runtergebracht. Kein so entspannter Start.
Hermes Transport vom Flughafen nach Vlorë
Für den Transport vom Flughafen Tirana nach Vlorë hatte ich vorab recherchiert und per WhatsApp Kontakt mit dem sogenannten Hermes Transport aufgenommen. Die haben mir erklärt, dass man gar nicht reservieren muss, einfach vor Ort am Flughafen einsteigen. Eine Fahrt kostet 1.200 Lek, umgerechnet etwa 11 Euro. Das hat soweit funktioniert.
SIM-Karte: Nicht am Flughafen geholt, eher ein Fehler
Was ich nicht gemacht hab: eine SIM-Karte am Flughafen holen. Ich dachte, ich besorg mir die einfach in der Stadt. Meine Ankunft war spät abends in Tirana, und bis ich in Vlorë ankam war es noch später. Kein Netz, kein Internet und kein Plan B.
Tipp: SIM-Karte am besten vorab schon holen. Nicht erst später, nicht in der Stadt…
Geldwechsel. Flughafenschalter, schlechter Kurs
Beim Geldwechsel hab ich den klassischen Touristenfehler gemacht. Euros direkt am Flughafenschalter in Lek getauscht, schlechter Kurs mit unnötigem Verlust. Ich hatte eigentlich gewusst, dass man das nicht am Flughafen machen sollte, aber kurz vorher wurde mir kommuniziert dass ich die Unterkunft bei Ankunft in bar bezahlen sollte.
Die Hosts hatten mir kurz vor meinem Abflug aus Berlin erklärt, dass es für sie besser ist wenn ich die Booking.com Reservierung storniere und direkt bar zahle. Die Tochter hat das dann vor Ort erklärt, es war sicher und ok, aber vorbereitet war ich darauf nicht ganz.
Ankunft in Vlorë: Was mich niemand vorbereitet hatte
Nachts mit Gepäck und kein Netz
Ich stand also irgendwo in Vlorë, nicht dort wo ich erwartet hatte, mit viel Gepäck und ohne Möglichkeit irgendwen zu erreichen. Die Hosts hatten angeboten mich abzuholen, konnten mich aber nicht erreichen weil ich keine SIM hatte. Ich bin also erstmal durch die Stadt geirrt und hab versucht irgendwo WLAN zu finden, ein Café, ein Hotel… komplizierter als gedacht.
Zum Glück haben die Hosts mich irgendwie doch noch gefunden. Aber es war kein entspanntes Ankommen.

Falsche Unterkunft, dann die richtige
Ich wurde zunächst in eine andere Unterkunft gebracht, wo es in einem der Zimmer streng nach Katze roch und viel zu viele Betten gab. Das war für die erste Nacht in Ordnung. Am nächsten Tag, hat man mir dann eine andere Unterkunft angeboten, die nun doch schon schneller vorbereitet gewesen ist. Das hat sich dann schnell geklärt, und die eigentliche Unterkunft war auch viel näher am Strand, was im Nachhinein der bessere Deal war.
Unterkunft in Vlorë: Was gut war, was nicht

Was drin war, was nicht
Die Unterkunft hat rund 600 Euro (Plus-Minus für meine Umwechslungsgeschichte am Flughafen) für den einen Monat gekostet. Privates Zimmer, Küche, Bad und alles Nötige an Ausstattung. Das war mir wichtig bei der Auswahl. Einer der Hauptgründe für genau diese Unterkunft war auch die Waschmaschine, über einen Monat tatsächlich sehr praktisch.
Was nicht so gut funktioniert hat, war der Arbeitsplatz. Es war nur ein kleiner Tisch, ein Stuhl der nicht für stundenlange Sessions gebaut war. Ich hab meine Arbeit dann in kürzere Blöcke aufgeteilt und öfter mal den Platz gewechselt, aber nach ein paar Wochen merkt man das schon im Rücken.
Das WLAN in der Unterkunft war dagegen schnell und zuverlässig, das war einer der wenigen Punkte der wirklich reibungslos funktioniert hat und den ich bei der Auswahl auch explizit gecheckt hatte.
Tipp: Frag oder schau bei der Buchung bei einer längeren Workation explizit nach Internet (auch Geschwindigkeit), Arbeitsplatz und Schreibtisch. Nicht nur ob einer vorhanden ist, sondern auch wie groß, und ob der Stuhl ergonomisch ist.
Geld, Karten und SIM-Karte für die Workation Albanien
VISA Prepaid. Was gut funktioniert hat
Ich hab überwiegend mit meiner VISA Prepaid Karte der VR Bank bezahlt. Ich hab immer festgehalten was ich drauflad und was ich ausgebe, und weil die Abbuchungen leicht versetzt stattfanden hatte ich immer einen guten Überblick. Für Auslandsreisen ohne klassische Kreditkarte eine solide Option.
Bargeld. So selten wie möglich
Bargeld hab ich so selten wie möglich abgehoben, weil jede Abhebung Gebühren kostet, bei mir 5 Euro. Nur wenn es wirklich notwendig war, zum Beispiel für die Miete am Anfang. Insgesamt konnte ich es mit nur einer Abhebung schaffen.
Tipp: Besorg dir vor der Reise zusätzlich eine richtige Kreditkarte, nicht nur eine Prepaid. Ohne Kreditkarte ist kein Mietwagen buchen möglich und ohne Mietwagen ist man bei einer Workation in Albanien und Vlorë sehr eingeschränkt.
SIM-Karte vor Ort
In Vlorë hab ich mir eine Vodafone Albanien SIM besorgt, 27 Euro Prepaid mit ausreichend Datenvolumen. Auch hier war die Kommunikation im Vodafone Laden schwierig und eingeschränkt. Auch mit Englischkenntnissen nicht so einfach möglich. Google Translate hat mir da sehr geholfen, die Texte und Bedingungen vom Mobilfunkvertrag zu entziffern. Vom Netz her war die SIM echt gut, aber Achtung: die Laufzeit war nur etwa drei Wochen. Ich hatte das überlesen und stand die letzten Tage vor der Abreise wieder ohne Netz da.
Tipp: Da Albania nicht zur EU gehört, ist dort eine lokale SIM oder eSIM oft günstiger als deutsches Roaming. Unbedingt auf die Laufzeit achten. Viele Prepaid-Tarife gelten nur etwa 3 Wochen

Gesamtkosten auf einen Blick
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Unterkunft (1 Monat) | 650 € |
| Flug | 262 € |
| Flixbus (nach Berlin) | 34 € |
| Prepaid Karte (Lebensmittel, Restaurantbesuche, Gym-Eintritte) | 425 € |
| SIM-Karte Vodafone Albanien | 27 € |
| Nachzahlung Online Check-in verpasst | 48 € |
| Abhebungsgebühren | 5 € |
| Gesamt | ca. 1.450 € |
Für einen Monat Unterkunft, Leben und Arbeiten in Albanien. In Deutschland wäre allein die Unterkunft teurer gewesen.
Alltag in Vlorë: Strand, Supermarkt und Gym-Routine

Morgens Strand, danach Arbeit
Der Tagesablauf hat sich schnell eingespielt. Morgens früh bin ich meistens raus, habe einen Spaziergang am Strand gemacht, bevor die Hitze im Juni zu stark wurde, dann zurück und arbeiten bis abends. Mittags war es draußen schlicht zu heiß.
Einkaufen und Wasser
Für Lebensmittel waren es etwa 20 Minuten zu Fuß in die Stadt. Wasser aus der Leitung konnte man nicht trinken, also hab ich immer große 5-Liter-Kanister gekauft. Lebensmittel waren insgesamt normal bis günstig, aber Käse war teuer und schwer zu finden, Magerquark gab es gar nicht…

Gym als Ausgleich
Dreimal pro Woche bin ich ins Gym gegangen, eine Tageskarte konnte ich meistens für umgerechnet etwa 5 Euro kaufen. Ich habe außerdem verschiedene Gyms ausprobiert, um das beste Setup aus Entfernung und Geräten für mich zu finden. Das war ein wichtiger Ausgleich und ich bin froh dass ich meine Routinen aus dem Alltag in Deutschland so weiterführen konnte.

Mobilität: Fast nur zu Fuß
Den Bus wollte ich nicht nehmen, die Abfahrtszeiten waren nämlich nirgends ausgeschrieben und laut meiner Gastgeberin eher den Einheimischen bekannt. Ein Taxi hab ich einmal genommen, das war okay. Ansonsten war ich fast ausschließlich zu Fuß unterwegs, weil ich mir keine Kreditkarte besorgt hatte und damit auch kein Auto mieten konnte. Das hat den Radius schon deutlich eingeschränkt.
Sicherheit und Stadtbild in Vlorë: Ein ehrlicher Blick
Straßenhunde
Die Straßenhunde waren teilweise ein echt nerviges Thema. Es gab Situationen wo sie aggressiv wurden und ich die Straßenseite gewechselt hab. Wer täglich zu Fuß unterwegs ist sollte das nicht unterschätzen.
Umgebung und Stadt
Stinkender Müll und ungepflegte Ecken gehören leider auch sichtbar zum Alltag in Vlorë. Der Strand war größtenteils schön, das Stadtbild dahinter oft nicht. Kein Grund nicht hinzufahren, aber trotzdem spielt es eine Rolle und ich wollte es hier nicht unerwähnt lassen.

Workation Albanien: Was ich beim nächsten Mal anders mache
Nein, eine gute Workation war es nicht. Zu spontan vorbereitet, schlechtes Setup, eingeschränkte Mobilität, ein Umfeld das mich nicht wirklich gepackt hat.
Und trotzdem: Ich hab morgens am Strand gestanden, einen Monat Übergang entspannt überbrückt, wohl etwas weniger Geld ausgegeben als in Deutschland, und einen Teil des Balkans gesehen den kaum jemand kennt.
Als Abenteuer hat es funktioniert. Als Workation nicht. Zwei Wochen hätten auch gereicht.
Als ich heimgeflogen bin, war ich froh. Ehrlicher kann ich’s nicht sagen.
Was ich beim nächsten Mal anders machen würde
- Workation früher im Voraus planen und ggf. Geld bei Flügen sparen oder bessere Airline
- Unterkunft mit besserem Work-Setup auswählen – bei meiner Workation auf Rügen hatte ich zum Beispiel einen dedizierten Coworking Space direkt vor Ort
- SIM-Karte direkt am Flughafen holen oder Internetzugang im Vorfeld klären
- Kreditkarte statt Prepaid, für mehr Flexibilität vor Ort
- Größeren finanziellen Puffer einplanen
- Gepäck vorher wirklich wiegen
- Fremdwährung vorab umtauschen ggf.


